Studien
Die transarterielle Mikroembolisation (TAME) bzw. transarterielle periartikuläre Embolisation (TAPE) ist ein modernes, minimal-invasives radiologisches Verfahren zur Behandlung chronischer Schmerzen (z.B. Arthrose) durch den Verschluss pathologischer Mikrogefäße. Sie entwickelte sich aus der Behandlung von Hämarthrosen nach Knieersatz hin zu einer modernen minimalinvasiven Therapie. Pionierarbeit leistete hierbei Yuji Okuno im Jahr 2015. Das Verfahren basiert auf der Unterbrechung pathologischer Gefäßneubildungen (Neovaskularisation), die Schmerzen verursachen. Seitdem bestätigen internationale Studien und erste randomisierte kontrollierte Studien (2022) eine hohe technische Erfolgsquote und signifikante Schmerzreduktion.
- Ursprung: Initial wurde die Technik eingesetzt, um spontane, rezidivierende Hämarthrosen (Blutungen) nach Knieendoprothesen zu behandeln.
- Wende 2015: Yuji Okuno et el. berichteten erstmals über den Einsatz der Geniculararterienembolisation (GAE) zur Behandlung von chronischen Knieschmerzen, die auf eine leichte bis mittelschwere Kniearthrose zurückzuführen sind.
- Validierung: Nach ersten positiven Pilotstudien in Japan führten internationale Arbeitsgruppen, unter anderem in den USA und Europa, weitere Studien durch, die die Sicherheit und Wirksamkeit bestätigten.
- Weiterentwicklung: Der Einsatz im muskuloskelettalen Bereich, spezifisch gegen Schmerzen bei Enthesiopathien oder Tendinopathien, ist eine relativ junge Entwicklung der letzten Jahre.
- Studienlage: Das Verfahren, oft als GAE oder TAPE bezeichnet, zeigt eine hohe technische Erfolgsquote. Studien wie der GENESIS-Trial unterstrichen den Nutzen.
- Aktueller Stand: Heute wird die transarterielle Mikroembolisation als vielversprechende, risikoarme Option für Patienten mit chronischen Schmerzen gesehen, die auf konservative Therapien nicht ansprechen, wobei die Ergebnisse bis zu zwei Jahre und länger anhalten können.
prospektive, nicht randomisierte Studien:
Transcatheter arterial embolization as a treatment for medial knee pain in patients with mild to moderate osteoarthritis
Okuno Y, Korchi AM, Shinjo T, Kato S. Transcatheter arterial embolization as a treatment for medial knee pain in patients with mild to moderate osteoarthritis. Cardiovasc Intervent Radiol. 2015 Apr;38(2):336-43. doi: 10.1007/s00270-014-0944-8. Epub 2014 Jul 4. PMID: 24993956.
Zweck: Arthrose ist eine häufige Ursache für Schmerzen und Behinderungen. Leichte bis mittelschwere Knieartrose, die gegen nicht-chirurgische Optionen resistent ist und nicht schwerwiegend genug ist, um einen Gelenkersatz zu rechtfertigen, stellt eine Herausforderung in der Behandlung dar. Auf Grundlage der Hypothese, dass Neogefäße und begleitende Nerven mögliche Schmerzquellen sind, zeigten frühere Arbeiten, dass die transkatheterartige arterielle Embolisation bei chronisch schmerzhaften Erkrankungen zu hervorragender Schmerzlinderung führte. Wir stellten die Hypothese auf, dass die transkatheterartige arterielle Embolisation Schmerzen im Zusammenhang mit Kniearthrose lindern kann.
Methoden: Transkatheter-arterielle Embolisation bei leichter bis mittlerer Kniearthrose unter Verwendung von Imipenem/Cilastatin-Natrium oder 75 μm kalibrierten Embozen-Mikrosphären als embolisches Mittel wurde bei 11 bzw. drei Patienten durchgeführt. Wir bewerteten unerwünschte Ereignisse und Veränderungen in den Osteoarthritis Index (WOMAC)-Werten der West-Ontario und der McMaster University.
Ergebnisse: Abnormale Neogefäße wurden in allen Fällen im Weichgewebe rund um das Kniegelenk mittels Arteriographie festgestellt. Im Zusammenhang mit den Eingriffen standen keine größeren unerwünschten Ereignisse. Die transkatheterartige arterielle Embolisation verbesserte die WOMAC-Schmerzwerte rasch von 12,2 ± 1,9 auf 3,3 ± 2,1 1 Monat nach dem Eingriff, mit weiteren Verbesserungen nach 4 Monaten (1,7 ± 2,2) und WOMAC-Gesamtwerten von 47,3 ± 5,8 auf 11,6 ± 5,4 nach 1 Monat und auf 6,3 ± 6,0 nach 4 Monaten. Diese Verbesserungen blieben in den meisten Fällen bei der abschließenden Nachuntersuchung mit durchschnittlich 12 ± 5 Monaten (Spanne 4–19 Monate) erhalten.
Fazit: Eine transkatheterartige arterielle Embolisation bei leichter bis mittelschwerer Kniearthrose war machbar, linderte resistente Schmerzen schnell und stellte die Kniefunktion wieder.
Transcatheter arterial embolization using imipenem/cilastatin sodium for tendinopathy and enthesopathy refractory to nonsurgical management
Okuno Y, Matsumura N, Oguro S. Transcatheter arterial embolization using imipenem/cilastatin sodium for tendinopathy and enthesopathy refractory to nonsurgical management. J Vasc Interv Radiol. 2013 Jun;24(6):787-92. doi: 10.1016/j.jvir.2013.02.033. PMID: 23707086.
Zweck: Bewertung der Machbarkeit und Wirkungen der transkatheterartigen arteriellen Embolisation mit Imipenem/Cilastatin-Natrium (CS) zur Behandlung von Tendinopathie und Entthesopathie, die bei traditioneller nicht-chirurgischer Behandlung resistent sind.
Materialien und Methoden: Die transkatheterartige arterielle Embolisation mit Imipenem/CS als embolisches Mittel wurde bei sieben Patienten (fünf Männer; Durchschnittsalter 51,7 Jahre) mit Tendinophie und Enthesopathie durchgeführt (Patellartendinopathie, n = 1; Rotatorenmanschettendinopathie, n = 2; Plantarfasziitis, n = 1; laterale Epikondylitis, n = 1; Iliotibialband-Syndrom, n = 1; und Achillessehneninsertionstendinopathie, n = 1). Alle Patienten hatten vor dem Eingriff unaufhörliche Schmerzen an der Stelle der Sehnenentzündung und Enthesopathie. Technischer Erfolg, unerwünschte Ereignisse und Veränderungen der visuellen Analogskala (VAS)-Werte wurden bewertet.
Ergebnisse: Alle Verfahren waren technisch erfolgreich, und es traten keine größeren unerwünschten Ereignisse auf. Im Vergleich zu vor dem Eingriff waren die durchschnittlichen VAS-Werte nach 1 Tag, 1 Woche sowie 1 und 4 Monaten nach dem Eingriff signifikant gesunken (72,7 mm±9,9 vs. 17,4 mm±18,5, 16,0 mm±18,1, 13,7 mm±7,3 bzw. 9,7 mm±6,8; alle P< .001).
Schlussfolgerungen: Die transkatheterartige arterielle Embolisation mit Imipenem/CS war machbar und linderte unaufhörliche Schmerzen, die mit Tendinopathie und Entthesopathie verbunden waren, wirksam.
Genicular Artery embolisation in Patients with Osteoarthritis of the Knee (GENESIS) Using Permanent Microspheres: Long-Term Results
Little MW, O’Grady A, Briggs J, Gibson M, Speirs A, Al-Rekabi A, Yoong P, Ariyanayagam T, Davies N, Tayton E, Tavares S, MacGill S, McLaren C, Harrison R. Genicular Artery embolisation in Patients with Osteoarthritis of the Knee (GENESIS) Using Permanent Microspheres: Long-Term Results. Cardiovasc Intervent Radiol. 2024 Dec;47(12):1750-1762. doi: 10.1007/s00270-024-03752-7. Epub 2024 May 31. Erratum in: Cardiovasc Intervent Radiol. 2024 Oct;47(10):1432. doi: 10.1007/s00270-024-03868-w. PMID: 38819473; PMCID: PMC11621196.
Genicular Artery Embolization for the Treatment of Symptomatic Knee Osteoarthritis
Fleckenstein FN, Maleitzke T, Auer TA, Bolle P, Gebauer B, Winkler T, Collettini F. Genicular Artery Embolization for the Treatment of Symptomatic Knee Osteoarthritis. Radiology. 2025 Jul;316(1):e243648. doi: 10.1148/radiol.243648. PMID: 40693933.
Genicular Artery Embolization as a Treatment Option for Refractory Knee Pain Post Total Knee Arthroplasty: A Prospective Series
Konduru, N., Hnatov, A., Joshua, S.P. et al. Genicular Artery Embolization as a Treatment Option for Refractory Knee Pain Post Total Knee Arthroplasty: A Prospective Series. Cardiovasc Intervent Radiol (2026). https://doi.org/10.1007/s00270-025-04318-x
randomisierte Studien
Twelve months results of the Gaucho Trial: Genicular Artery embolization Using imipenem/Cilastatin vs. microspHeres for chrOnic knee pain: a randomized controlled trial
presentated at CIRSE 2024 by Dr. Mateus Picada Correa at September 17th, 2024 at 4:35:00 PM GMT+2
Zielsetzung: Vergleich der Ergebnisse der 12-monatigen Nachbeobachtung (12mFU) der Gelenkarterienembolisation (GAE) unter Verwendung von Imipenem/Cilastatin (IC) im Vergleich zu Embospheres 100-300 zur Behandlung leichter bis mittelschwerer Schmerzen im Zusammenhang mit Kniearthrose.
Material und Methoden: Es handelt sich um eine randomisierte, verblindete, prospektive, monozentrische klinische Studie, die unter ReBEC#RBR-2h5rwgb registriert ist. Eingeschlossen wurden Patienten der Kellgren-Lawrence-Stadien (KL) 1 bis 3, die auf eine konservative Behandlung über einen Zeitraum von mindestens 6 Monaten refraktär reagierten. Als technischer Erfolg wurde die Embolisation von mindestens einer zuführenden Arterie definiert, welche die hyperämische Synovialis versorgt. Als klinischer Erfolg wurde eine Verbesserung der Symptome definiert – entweder eine Reduktion des WOMAC-Schmerzscores um 50 % oder ein Anstieg des KOOS-Schmerzscores um mindestens 10 Punkte gegenüber dem Ausgangswert (Baseline) zu den Zeitpunkten 1, 3 und 12 Monate nach der Nachbeobachtung. Zu den sekundären Endpunkten gehörte ein verringerter Bedarf an Medikamenten und konservativen Therapien zur Schmerzlinderung.
Ergebnisse: Im Zeitraum von Februar 2021 bis Januar 2023 wurden 60 Patienten (82 Gelenke) mit den KL-Stadien 1 (34,2 %), 2 (41,4 %) und 3 (24,3 %) in die Studie aufgenommen. Die Rate des technischen Erfolgs lag bei 100 %. In allen Scores zeigte sich eine signifikante Verbesserung (p < 0,001) gegenüber dem Ausgangswert. Ein klinischer Erfolg wurde beim WOMAC-Schmerzscore in 65 %, 48,2 % bzw. 55,6 % der Fälle und beim KOOS-Schmerzscore in 85 %, 83,9 % bzw. 77,8 % der Fälle verzeichnet. Zudem zeigte sich eine statistisch signifikante Verbesserung im Bereich KOOS-Sport (p < 0,001) und KOOS-Symptome (p = 0,03) zugunsten der Embospheres-Gruppe. Bei keiner anderen analysierten Variable ergab sich ein statistisch signifikanter Unterschied. Bei 47 % der Kniegelenke trat eine Livedo auf, wobei hierbei kein Unterschied zwischen den beiden Gruppen festzustellen war. In der IC-Gruppe kam es zu 2 Studienabbrüchen, in der Mikrosphären-Gruppe zu 4 Abbrüchen.
Schlussfolgerung: Nach 3 und 12 Monaten Nachbeobachtung der GAE zeigte sich eine Verbesserung der WOMAC- und KOOS-Schmerzscores, wobei keine Unterschiede zwischen den verwendeten Embolisationsmaterialien festzustellen waren. Im Hinblick auf die Bereiche KOOS-Sport und KOOS-Symptome ergab sich nach 12 Monaten ein Vorteil zugunsten der Embospheres.
Genicular artery embolization for early-stage knee osteoarthritis: results from a triple-blind single-centre randomized controlled trial
Landers S, Hely R, Hely A, Harrison B, Page RS, Maister N, Gwini SM, Gill SD. Genicular artery embolization for early-stage knee osteoarthritis: results from a triple-blind single-centre randomized controlled trial. Bone Jt Open. 2023 Mar 10;4(3):158-167. doi: 10.1302/2633-1462.43.BJO-2022-0161.R2. PMID: 37051829; PMCID: PMC10032233.
Reviews
Genicular Artery Embolization for Symptomatic Knee Osteoarthritis: A Comprehensive Review of Techniques and Clinical Outcomes
Ahmed O, Sajan A, Krishnasamy V, Golzarian J, Little M, Fleckenstein F, Okuno Y, Young S, Sapoval M. Genicular Artery Embolization for Symptomatic Knee Osteoarthritis: A Comprehensive Review of Techniques and Clinical Outcomes. Cardiovasc Intervent Radiol. 2025 Dec;48(12):1737-1754. doi: 10.1007/s00270-025-04188-3. Epub 2025 Sep 16. PMID: 40958048.
Zweck: Symptomatische Kniearthrose ist weltweit die häufigste Gelenkerkrankung. Die Genikuläre Arterienembolisierung (GAE) ist eine minimalinvasive Therapie, die auf abnormale Knieneovaskularität und Entzündung abzielt und das Potenzial hat, die Behandlungsparadigmen zu verändern. Diese Übersicht fasst die wichtigsten Belege zu ihrer Begründung, Techniken, Ergebnissen und dem Bedarf an Standardisierung zusammen.
Materialien und Methoden: Fachkollegenstudien zu GAE bei Kniearthrose wurden hinsichtlich der Patientenauswahl, der Verfahrenstechnik, der Embolen und berichteter Ergebnisse bewertet.
Ergebnisse: GAE erzielte durchweg hohe technische Erfolge und kurzfristige bis mittelfristige Schmerzlinderung mit verbesserten VAS-, WOMAC- und KOOS-Werten. Temporäre und permanente embolische Mittel liefern vergleichbare Ergebnisse. Die Variabilität der Schiffsziele, der Embolengröße und der periprozeduralen Protokolle begrenzt direkte Vergleiche und kombinierte Analysen. Gemeldete unerwünschte Ereignisse sind selten, meist mild und selbstbegrenzt.
Schlussfolgerungen: GAE bietet eine vielversprechende, bildgeleitete Option für symptomatische Kniearthrose. Standardisierte Verfahrensmethoden, einheitliche Ergebnisberichterstattung und robuste multizentrische Studien sind erforderlich, um langfristige Sicherheit und Wirksamkeit zu bestätigen, die Patientenauswahl zu optimieren und die Rolle von GAE bei der Behandlung von Arthrose zu definieren.
